
Liebe Freunde,
Shanghai ist nicht einfach nur eine Stadt in China - Shanghai ist mein neues Zuhause seit dem 15. August und man kann sich kein extremeres, lauteres, schmutzigeres, faszinierenderes Zuhause vorstellen als diese Metropole, die immerhin 18 Millionen Menschen umfasst.
Was also macht den Reiz aus? Wenn ich nachts in meinem Bett liege und aus dem 30. Stock auf die Straßen von Xujiahui blicke und die vielen Lichter und aufblitzenden Werbeplakate sehe, den Lärm der hupenden Autos höre und die sanften Knackgeräusche der Klimanlage.. dann fühle ich China.
Ein fremdes Land, das mir vorher so unbekannt war wie der Verzehr von Hühnerfüßen oder die Begeisterung für lebende Tiere im Mund. In allen Reiseführern steht: China erobert man über das Essen. Diesen Tipp kann ich nur unterstützen und für zartbeseitete Mägen ist aller Anfang schwer.. Was ich durchaus am eigenen Leib erfahren musste. Nachdem man die eigenen Innereien gegen die Bakterien abgehärtet hat beginnt einem das Essen aber durchaus zu schmecken. Aber im Ernst: Hier gibt es alles, was man sich wünscht. Vom Tofuburger über Pizza, gebratenen Reis oder frittierte Nudeln, Yak-Steak, frittierte Innereien, Schweinenasen oder -gesichter, Dumpling mit allen möglichen Füllungen...
In China wird jeder satt. Und das trifft auch auf die Chinesen zu. Ich hüte mich ja im Allgemeinen vor Verallgemeinerungen, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme: Es gibt DEN Chinesen. Und der ist nicht so leicht zu durchschauen, wie man nach dem Standardlächeln vermuten könnte. Meine Lieblingschinesen sitzen im Guardhaus meines Compounds und verwandeln ihre Zentrale jeden Abend in eine Haschbude, was man nicht nur meilenweit riecht, sondern auch an den beschlagenen Scheiben erkennen kann.
Tin bu dong... ich verstehe nichts. Besonders nicht im Taxi, denn das beliebteste Fortbewegungsmittel kann nur mit besonderer Betonung bedient werden. Ich erspare mir hier einen ausführlichen Bericht über die chinesische Sprache - nur so viel: Wer nicht musikalisch ist und keine Töne trifft wird es in China schwer haben!
Bisher bin ich immer am gewünschten Ziel angekommen. Das sollte jeden ermutigen.
Ich bin in China angekommen. Nach fast drei Monaten kann ich das behaupten. Und ich werde es genießen, jede Minute in diesem wunderbaren Land, das sich durch Gegensätze auszeichnet, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Glaubt nicht das, was ihr im Ausland über die Chinesen hört - es trifft nur die halbe Wahrheit! Aber was red ich? Es gibt Momente, da habe ich eine leise Ahnung vom Leben in China und den Menschen hier, rede mir ein, ihre Gedanken verstehen zu können. Das hält meist nicht lang an und Missverständnisse, Wutausbrüche, Verzweiflungsbeschwörungen bei Taxifahrern gehören zum Alltag. Ganz verstehen werde ich dieses Land wohl nie - aber ich werde mir Mühe geben...
