Mittwoch, 12. November 2008

Alltag in der Nandan Dong Lu



In Shanghai ist es kalt geworden und zwar quasi über Nacht. Nicht, dass ich kalte Temperaturen nicht gewöhnt wäre, aber irgendwie ist die Kälte hier anders. In der Wohnung jedenfalls friere ich sehr, da die Wände hier schlecht isoliert sind und es keine Heizungen nach unserem Verständnis gibt. Gestern wurde nun Gott sei Dank die Klimaanlage umgestellt, weshalb die Wohnung nun mollig warm ist!! Ich friere ja immer so...
Das Schulleben ist sehr zufriedenstellend und nähert sich langsam dem Wochenende, was immer viel Arbeit bedeutet, da ich Donnerstag und Freitag lange Tage habe.. Ja ja, ich weiß, dass jetzt alle Nichtlehrer aufstöhnen werden, aber Ganztagsschule ist schon ein Unterschied. Man ist länger in der Schule und kommt später nach Hause - fast so wie ein ganz normaler Arbeitnehmer :-)
Da ich in der Schule zu Mittag essen kann, fällt das frühere anstrengende Stullenschmieren jeden Morgen weg, weshalb ich ein bisschen länger liegen bleiben kann. Aber auch das hat sich hier sehr verändert, denn in der Regel klingelt der Wecker um 5.45h, was für mich durchaus eine Umstellung ist. Aber man gewöhnt sich an alles. Ich fahre mit dem Schulbus circa 45 Minuten zur Schule und abends circa eine Stunde wieder zurück. Am Abend treffe ich mich gern mit Freunden oder Arbeitskollegen und wir gehen gemeinsam was essen etc. DVD Abende bieten sich vermutlich in der kalten Jahreszeit sehr an, aber das müssen wir noch austesten.
Meine Arbeit macht mir Spaß und ich kann mich jeden Tag wieder darin bestätigen, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Und das ist doch schon mal was im Leben!

Im Moment freue ich mich besonders aufs Wochenende, da wir zum Deutschen Ball gehen. Smoking- und Abendkleidpflicht herrschen da und nach einem Besuch beim Stoffmarkt kann ich auch dem Motto des Abends "Schwarz-Weiß" gerecht werden. Ich bin mal gespannt. Wir, das sind übrigens Conny, meine Mitbewohnerin, Ariane, meine Arbeitskollegin samt Mann und quasi mein Mann, also Heiko, der zuvor noch mein Arbeitskollege war und nun auch mehr ist.
Die Zeit in Shanghai rast nur so dahin und wenn ich aufzähle, was ich schon alles hier erlebt habe, wird man mich fragen, ob ich auch noch arbeite.. nebenbei versteht sich. Aber ich kann es nicht anders erklären, als zu sagen, dass Zeit hier andere Dimensionen einnimmt. Auf der einen Seite vergeht sie unheimlich schnell und man benötigt einen ganzen Nachmittag um Besorgungen zu machen, für die man in Deutschland 10 Minuten braucht. Und auf der anderen Seite bleibt die Zeit stehen. In einem der Hochhäuser mit Blick auf den Bund oder auf der chinesischen Mauer, die einen wieder spüren lässt, wie klein wir doch alle auf der Welt sind.