Wer mich kennt, weiß dass ich eine leidenschaftliche Autofahrerin bin. Je schneller desto besser. Da ich leider in Shanghai auf dieses Vergnügen verzichten muss - oder sagen wir lieber hinter dem Steuer, denn schnell in einem rostigen Taxi bin ich auch hier schon gefahren - mussten wir uns eine andere Möglichkeit suchen, endlich mal wieder selbst Gas geben zu können. Die Kartbahn in Shanghai wird (vermutlich) von einem Deutschen geleitet, denn so meldete er sich wenigstens am Telefon und ab gings in die Middle of Nowhere. Nach einer verwirrenden Taxifahrt - wenn man ein X wie ein C im Chinesischen ausspricht kommt man in Gegenden, die man vorher noch nie gesehen hat - kamen wir endlich an unser Ziel. Am hintersten Ende einer dunklen, unheimlichen Straße gelegen hörte man das Motorengeräusch schon von weitem! Auf jeden Fall hat es riesigen Spaß gemacht mit allen (wir waren zehn Leute!) über die Piste zu fegen und Chinesen aus dem Weg zu schubsen, die auf der Bahn gerade ihre Taxifahrerlizenz ablegen. Den Eindruck hatte übrigens nicht nur ich! Es war der Wahnsinn, wie die mit 5km/h über die Strecke gekrochen sind und sich dann wundern, wenn ihnen fast der Kopf abfällt, wenn man mal ein bisschen von hinten drängelt... Nun denn, auch Chinesen müssen lernen und wo kämen die Europäer hin, wenn sie sich auf einer ausländischen Kartbahn wie die Rowdys benehmen? P.S.: Das Kart mit der Nummer 9 war übrigens am schnellstens... jedenfalls wenn eine Blondine am Steuer saß. Den Rest könnt ihr euch denken ... hahahahaha
Ich komme gerade aus der Schule nach Hause.. ein harter (ok so hart war er auch wieder nicht) Arbeitstag liegt hinter mir. Der Himmel ist strahlendblau und die Sonne scheint. Mit Schal und neuem Stoffmarkt-Mantel stapfe ich die Straße zur Wohnung hinunter. Es ist kalt und windig. Gemütlich. Es erinnert mich an den Herbst in Deutschland. Zu vergleichen ist er auch mit dem Herbst in Italien, den ich auch schon erleben durfte und der wunderschön war. Und plötzlich spüre ich einen Stich in der Magengegend - und merke, dass mir etwas fehlt. Menschen, die mir in Deutschland immer so nah waren und die nun so weit weg sind, dass ich 10 Stunden ohne Unterbrechung fliegen müsste, um sie wiederzusehen. Ihr fehlt mir hier alle. Und manchmal schlendere ich die Straße hinunter und erkenne schmerzlich, was mir in Deutschland ganz normal vorkam. Die gemeinsamen Kaffeetreffen, Pizza im gemütlichen Restaurant, Telefonendlosgespräche am Abend... Ich bin nicht traurig - ganz im Gegenteil! Ich bin dankbar, dass ich Freunde habe, die ich vermissen kann und die mir fehlen; jeder auf seine ganz besondere Art. In Shanghai finde ich neue Freunde ohne die mir der Anfang in diesem fremden Land sehr schwer gefallen wäre und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ohne sie wäre. Und doch hängt mein Herz an vertrauten Orten in Deutschland, die ich mit Euch gesehen oder besucht habe. An denen wir besondere oder auch ganz normale Dinge erlebt haben und die einfach in meinem Kopf sind und durch solche Momente wie heute wieder in meinen Erinnerungen auftauchen. Plötzlich habe ich Angst, dass ich vergessen werden könnte. Dass das Leben auf der anderen Seite der Erde irgendwann ohne mich auskommt, dass ich nicht mehr ein Teil davon bin. Ich hoffe, dass das nicht passiert. Schreibt mir, was ihr erlebt, lasst mich teilhaben an allem! Dass mich alles interessiert, das wisst ihr! Liebe Grüße aus China, am anderen Ende der Welt...
Der Deutsche Ball in Shanghai zählt zu den Top-Adressen von Shanghai, bei dem sich nicht nur die deutsche Business-Elite trifft, sondern auch nach Herzenslust geschlemmt werden darf. Neben den Bossen der Lufthansa ins Salatbuffet greifen, mit dem Chef von Siemens genüsslich Champagner schlürfen, all das kann man beim Deutschen Ball. Dabei wird an nichts gespart. Natürlich auch nicht an der Aufmerksamkeit, was man sehr gut an den ausstaffierten Damen und Herren sehen konnte. Für Männer war der Smoking Pflicht und die Damen sollten sich nach Möglichkeit in schwarz oder weiß oder in einer Kombination aus beidem präsentieren. Nachdem ich von diesem Motto erst eine Woche vor der Veranstaltung per Zufall (Danke, mein Schatz!) erfahren hatte, gings noch schnell zum Stoffmarkt, damit auch ich in einem stilechten bodenlangen Abendkleid auflaufen konnte. Das Kleid war schnell gefunden und auch von einer sehr zuverlässigen Schneiderin fristgerecht fertiggestellt. Schwierig gestaltete sich allerdings die Suche nach Schuhen, denn wenn ich es noch nicht getan habe, wiederhole ich mich gern: In Shanghai wird niemand ein Paar Schuhe in Grüße 40 und darüber finden. NIEMAND! Und das kann einem wirklich den letzten Nerv rauben. Ich kann mich doch nun wirklich glücklich schätzen, mit Größe 40 keine zu großen Füße zu haben, aber ich werde tatsächlich von Verkäuferinnnen ausgelacht und schnellstens aus dem Laden bugsiert. Was ich als Westnase stets mit einem Kopfschütteln und Flüchen in deutscher Sprache quittiere. Und in diesem Fall auch leider mit einem Paar Schuhe in 39, die zwar schwarz und mit Absatz waren, mir aber auch die schlimmsten Fußschmerzen meines Lebens eingebracht haben. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mir das NIE wieder antun werde, sondern lieber barfuß beim nächsten Ball erscheinen werde!
Aber nun zurück zum eigentlichen Thema: Der Ball begann um 19 h und pünktlich wie die Maurer standen Heiko, Conny und ich im feinsten Zwirn vor den Toren des Hyatt im Jin Mao Tower (ehemals höchstes Gebäude von Shanghai!), wurden von mehreren Chinesinnen mit einem Schild bewaffnet in die richtige Richtung wieder aus dem Hotel raus, über den Hof zu einem anderen Eingang geleitet, um dort endlich auf dem roten Teppich empfangen und vom Scheinwerferlicht geblendet zu werden. Wow, so muss sich ein Filmstar fühlen, was nicht unbedingt das schlechteste Gefühl ist. Nachdem wir den Auftritt der anderen Gäste genüsslich beobachten konnten, entschieden wir uns recht schnell für die Stretchlimousine im nächsten Jahr, damit unser Auftritt noch ein wenig glanzvoller ablaufen kann! Und dann kamen sie: die aufgespritzten Lippen, die vergrößerten Brüste, 20 Zentimeter Absätze.... Herrlich. Ein Fest für die Sinne und natürlich für uns Tratschtanten genau das Richtige. Weniger lustig fand ich allerdings, dass sich einige Damen nicht an das Motto hielten und wo kommen wir denn da hin, wenn auf der Einladung die Farbe für das Kleid vorgegeben ist und einige dann doch in Knallrot oder Hellblau kommen? Ich hätte nämlich auch lieber die Farbe rot gewählt, hab mich aber brav an die Vorgaben gehalten. Das zeigt mal wieder, wie weit man es bringt, wenn man sich an die Richtlinien hält. Jedenfalls in dem Fall nicht in die erste Reihe beim Fotowettbewerb!
Im Gebäude selbst gab es dann Sekt und Fotos vor der Fotowand samt Unterschrift auf der Gästewand! Im Anschluss daran wurden wir in die Ballsäle entlassen, derer Zahl zwei vorhanden waren. Unser Tisch bot einen fantastischen Anblick und ließ einiges erwarten. Da Heiko und ich extra Tanzunterricht bei meiner WG-Mitbewohnerin Conny genommen hatten, freuten wir uns natürlich sehr auf den Walzer, aber den gab´s leider nur zur Begrüßung durch die Sponsoren. Danach spielte die Band sofort moderne Musik, ABBA Sings, Queen etc. und vorbei war´s mit der Freude auf gediegene tänzerische Einlagen.
Wir hatten aber dennoch viel Spaß und der setzte sich mit der Eröffnung des Buffets fort. Es gab alles, was man sich vorstellen kann und da Heiko und ich Genießer par excellence sind, ließen wir uns es mit Champagner, Kaviar, Austern, Lachs, Lamm und herrlichen Nachspeisen so richtig gut gehen. Es war ein Gaumenschmaus! Das Glas war nie leer, Weißwein und Rotwein in sehr köstlicher Geschmacksauswahl, Wasser, Kaffee… Ach, ich schwärme immer noch. Leider ist der Magen nie so groß wie die Auswahl und da ich auch nach dem Essen noch in mein Kleid passen wollte, hielt ich es mit dem Nachschlag in Grenzen. Nach dem letzten Bier für die Herren um zwei und einem kleinen Quichetörtchen für mich machten wir uns auf den Heimweg. Gaanz langsam versteht sich, denn meine Schuhe schnürten nunmehr auch die Ferse ab.
Es war ein wundervoller Abend und er sollte unbedingt wiederholt werden. Nicht nur wegen des Essens, sondern wegen der Möglichkeit, es sich gediegen und mit voller Inbrunst so richtig gut gehen zu lassen. Hatte ich schon erwähnt, dass es von Eltern nur so wimmelte? Nein? Nun ja, das kann man sich denken. Aber noch schöner ist es doch, wenn einen die Eltern nicht erkennen. Vielleicht lag´s an der eleganten Abendgarderobe, die ich selten in der Schule trage. Deutscher Ball, wir kommen wieder! Ganz bestimmt im nächsten Jahr.
Nachdem ich mich in Shanghai eingwöhnt habe, gings auch gleich in die Hauptstadt - auf Klassenfahrt versteht sich. Und Peking kann sich sehen lassen! Die Stadt ist sauber, unglaublich begrünt (wir reden hier von chinesischen Verhältnissen) und eine Sache wird einem gar nicht klar: es wird auf den Straßen nicht gehupt! Wer Shanghai kennt kann sich vorstellen, dass das Ausbleiben eines Hupgeräusches einem den Schlaf rauben kann. Ich konnte es selbst kaum glauben, aber es ist wahr: in Peking wird nicht gehupt! Die Stadt ist eine Reise wert, auf jeden Fall. Wir hatten Kaiserwetter (hahahaha) und das zahlte sich auch beim Besuch der zahlreichen Sehenswürigkeiten aus. Ich will nicht langweilen, was es in Peking zu sehen gibt, kann man getrost nachlesen. Ich möchte von dem Gang auf der chinesischen Mauer berichten, der mich dermaßen beeindruckt hat, das er womöglich sogar mein Leben verändert. Dieses 6300 Kilometer lange von Menschenhand geschaffene Bauwerk ist unglaublich. Man kann die Weite nicht einschätzen, man erahnt nur am Horizont die Steinmassen, die vor den Mongolen schützen sollten. Und man kann erahnen, was Menschen in diesen Zeiten bewegt hat: Macht! Diese Macht spüre ich noch heute und auf dem teilweise gefährlichen Abstieg frage ich mich: Wer lief hier schon über die Mauer? Was hat derjenige gedacht, was hat er gefühlt und gewollt? Ich traf viele Touristen und alle sitzen entweder mit einem Lächeln in der Sonne, wischen sich den Schweiß von der Stirn, trinken einen Schluck oder ruhen sich aus. Sie alle sind sprachlos angesichts dieses Weltwunders, und es verdient den Namen tatsächlich. Wer die Mauer besteigt ist ein Held, heißt es. Ich fühle mich nun so. 15 Kilometer sind ein langer Marsch für mich. Angesichts der fehlenenden tausend natürlich ein Witz, aber wen kümmerts? Ich war da und ich habe die Magie gespürt, die von einer gewaltigen Macht ausgeht, die Millionen von Menschen begeistert hat und auch noch begeistern wird. Denn auch wenn ich schon längst vergessen sein werde, wird die Mauer noch stehen...
In Shanghai ist es kalt geworden und zwar quasi über Nacht. Nicht, dass ich kalte Temperaturen nicht gewöhnt wäre, aber irgendwie ist die Kälte hier anders. In der Wohnung jedenfalls friere ich sehr, da die Wände hier schlecht isoliert sind und es keine Heizungen nach unserem Verständnis gibt. Gestern wurde nun Gott sei Dank die Klimaanlage umgestellt, weshalb die Wohnung nun mollig warm ist!! Ich friere ja immer so... Das Schulleben ist sehr zufriedenstellend und nähert sich langsam dem Wochenende, was immer viel Arbeit bedeutet, da ich Donnerstag und Freitag lange Tage habe.. Ja ja, ich weiß, dass jetzt alle Nichtlehrer aufstöhnen werden, aber Ganztagsschule ist schon ein Unterschied. Man ist länger in der Schule und kommt später nach Hause - fast so wie ein ganz normaler Arbeitnehmer :-) Da ich in der Schule zu Mittag essen kann, fällt das frühere anstrengende Stullenschmieren jeden Morgen weg, weshalb ich ein bisschen länger liegen bleiben kann. Aber auch das hat sich hier sehr verändert, denn in der Regel klingelt der Wecker um 5.45h, was für mich durchaus eine Umstellung ist. Aber man gewöhnt sich an alles. Ich fahre mit dem Schulbus circa 45 Minuten zur Schule und abends circa eine Stunde wieder zurück. Am Abend treffe ich mich gern mit Freunden oder Arbeitskollegen und wir gehen gemeinsam was essen etc. DVD Abende bieten sich vermutlich in der kalten Jahreszeit sehr an, aber das müssen wir noch austesten. Meine Arbeit macht mir Spaß und ich kann mich jeden Tag wieder darin bestätigen, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Und das ist doch schon mal was im Leben!
Im Moment freue ich mich besonders aufs Wochenende, da wir zum Deutschen Ball gehen. Smoking- und Abendkleidpflicht herrschen da und nach einem Besuch beim Stoffmarkt kann ich auch dem Motto des Abends "Schwarz-Weiß" gerecht werden. Ich bin mal gespannt. Wir, das sind übrigens Conny, meine Mitbewohnerin, Ariane, meine Arbeitskollegin samt Mann und quasi mein Mann, also Heiko, der zuvor noch mein Arbeitskollege war und nun auch mehr ist. Die Zeit in Shanghai rast nur so dahin und wenn ich aufzähle, was ich schon alles hier erlebt habe, wird man mich fragen, ob ich auch noch arbeite.. nebenbei versteht sich. Aber ich kann es nicht anders erklären, als zu sagen, dass Zeit hier andere Dimensionen einnimmt. Auf der einen Seite vergeht sie unheimlich schnell und man benötigt einen ganzen Nachmittag um Besorgungen zu machen, für die man in Deutschland 10 Minuten braucht. Und auf der anderen Seite bleibt die Zeit stehen. In einem der Hochhäuser mit Blick auf den Bund oder auf der chinesischen Mauer, die einen wieder spüren lässt, wie klein wir doch alle auf der Welt sind.
Liebe Freunde, Shanghai ist nicht einfach nur eine Stadt in China - Shanghai ist mein neues Zuhause seit dem 15. August und man kann sich kein extremeres, lauteres, schmutzigeres, faszinierenderes Zuhause vorstellen als diese Metropole, die immerhin 18 Millionen Menschen umfasst. Was also macht den Reiz aus? Wenn ich nachts in meinem Bett liege und aus dem 30. Stock auf die Straßen von Xujiahui blicke und die vielen Lichter und aufblitzenden Werbeplakate sehe, den Lärm der hupenden Autos höre und die sanften Knackgeräusche der Klimanlage.. dann fühle ich China. Ein fremdes Land, das mir vorher so unbekannt war wie der Verzehr von Hühnerfüßen oder die Begeisterung für lebende Tiere im Mund. In allen Reiseführern steht: China erobert man über das Essen. Diesen Tipp kann ich nur unterstützen und für zartbeseitete Mägen ist aller Anfang schwer.. Was ich durchaus am eigenen Leib erfahren musste. Nachdem man die eigenen Innereien gegen die Bakterien abgehärtet hat beginnt einem das Essen aber durchaus zu schmecken. Aber im Ernst: Hier gibt es alles, was man sich wünscht. Vom Tofuburger über Pizza, gebratenen Reis oder frittierte Nudeln, Yak-Steak, frittierte Innereien, Schweinenasen oder -gesichter, Dumpling mit allen möglichen Füllungen... In China wird jeder satt. Und das trifft auch auf die Chinesen zu. Ich hüte mich ja im Allgemeinen vor Verallgemeinerungen, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme: Es gibt DEN Chinesen. Und der ist nicht so leicht zu durchschauen, wie man nach dem Standardlächeln vermuten könnte. Meine Lieblingschinesen sitzen im Guardhaus meines Compounds und verwandeln ihre Zentrale jeden Abend in eine Haschbude, was man nicht nur meilenweit riecht, sondern auch an den beschlagenen Scheiben erkennen kann. Tin bu dong... ich verstehe nichts. Besonders nicht im Taxi, denn das beliebteste Fortbewegungsmittel kann nur mit besonderer Betonung bedient werden. Ich erspare mir hier einen ausführlichen Bericht über die chinesische Sprache - nur so viel: Wer nicht musikalisch ist und keine Töne trifft wird es in China schwer haben! Bisher bin ich immer am gewünschten Ziel angekommen. Das sollte jeden ermutigen.
Ich bin in China angekommen. Nach fast drei Monaten kann ich das behaupten. Und ich werde es genießen, jede Minute in diesem wunderbaren Land, das sich durch Gegensätze auszeichnet, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Glaubt nicht das, was ihr im Ausland über die Chinesen hört - es trifft nur die halbe Wahrheit! Aber was red ich? Es gibt Momente, da habe ich eine leise Ahnung vom Leben in China und den Menschen hier, rede mir ein, ihre Gedanken verstehen zu können. Das hält meist nicht lang an und Missverständnisse, Wutausbrüche, Verzweiflungsbeschwörungen bei Taxifahrern gehören zum Alltag. Ganz verstehen werde ich dieses Land wohl nie - aber ich werde mir Mühe geben...