
An diesem Event kam am Sonntag niemand vorbei: der Shanghai Marathon. Ja, ich weiß, das ist nur was für Verrückte, die nicht wissen, was sie in der Zeit von 42, irgendwas.. Kilometern machen könnten. Hinzu kommt, dass ich am Sonntag aus meiner solidarischen Ader (Heiko musste ja auch raus) um 6h aufstehen musste, da wir um 7 am Bund sein mussten!! Puhh!! Aber: ich war da! Wenngleich auch nur als Zuschauerin. Vielleicht erinnern sich einige an meine Knie-OP und falls nicht, erzähle ich es immer wieder gern. Der "unhappy trial" vom Januar ist nun fast ein Jahr her, aber er schmerzt immer noch und da ich mich nicht gern bei Kälte in die Laufschuhe zwänge, beobachtete ich gespannt vom Straßenrand. Außerdem musste der Proviant vom Start zum Ziel getragen werde und das erledigte ich gern.
Heiko und Conny und viele andere meiner Kollegen liefen den kleinen Lauf (4,3 km) und waren schon nach einer halben Stunde wieder am umjubelten Ziel. Eines können die Chinesen: Feiern! Ob im Kommunismus-Rot oder im McDonald Kostüm, wer nackt laufen möchte, darf selbstverständlich auch das. Leider hab ich es nicht gesehen, aber dafür wurde ich Zeuge, wie ein Ordner eine Frau, die gerade unter der Laufabsperrung auf die andere Straßenseite wechseln wollte, an den Haaren zurückzog, sie wüst beschimpfte (ich glaube wenigstens, dass es Beleidigungen waren!) und dann sogar körperlich attackierte. Wenngleich die Frau dem in nichts nachstand möchte ich dennoch betonen, dass ich das als sehr schockierend und respektlos empfand! Ist das auch China? Offensichtlich - und es ist nicht unbedingt eine sympathische Seite.
Nur zwei Minuten später lief eine Amerikanerin ganz mutterseelenallein auf der abgesteckten Strecke (sie war also TEILNEHMERIN) und wurde von einem Fahrradfahrer, der sich unter der Absperrung durchgemogelt hatte, umgefahren! Das muss man sich mal vorstellen. Wenn er nur eine Sekunde gewartet hätte, hätte er im Schritttempo HINTER ihr über die Straße gekonnt. Nein: er fährt sie um! Das ist so, als wenn du im Fußballstadion mit 60.000 Zuschauern vom Ball getroffen wirst. Es war zu skurril, ich musste lachen und nachdem sich die Amerikanerin ihr Knie gerieben hatte, sah sie mich an und rief nur: Damn China! Tja, was soll ich sagen...
Und noch etwas: nächstes Jahr laufe ich den Halbmarathon! Ich will auch eine Begegnung mit einem Chinesen, der es wagt meinen Lauf zu unterbrechen!!!
